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Mild Cognitive Impairment: Globale Prävalenz bei über 50-Jährigen bei >15%

Bai W et al., August 2022 - Die leichte kognitive Beeinträchtigung – auch als „Mild Cognitive Impairment“ (MCI) bekannt – beschreibt das präklinische Übergangsstadium zwischen gesundem Altern und Demenz und eignet sich als potenzielles Ziel von Interventionen zur Verzögerung der demenziellen Entwicklung. Bai et al. wollten vor diesem Hintergrund mehr über die MCI-Prävalenz von über 50-Jährigen erfahren und haben eine Metaanalyse epidemiologischer Studie initiiert.
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Fazit

In dieser Übersichtsarbeit einschließlich Metaanalyse lag die globale Prävalenz der leichten kognitiven Beeinträchtigung bei über 50-jährigen in der Gemeinschaft lebenden Erwachsenen bei über 15%. Da Alter, Geschlecht, Bildungsgrad sowie die Region der Studienstandorte einen Einfluss auf die jeweiligen Prävalenzen zeigten, sollten – nach Ansicht der Autor*innen – insbesondere in Risikogruppen gezielte Präventionsprogramme erwogen werden.

Die leichte kognitive Beeinträchtigung bzw. – im Englischen – Mild Cognitive Impairment (MCI) beschreibt die Übergangsphase zwischen dem normalen kognitiven Alterungsprozess und einer demenziellen Erkrankung. Dabei werden vor allem 2 Hauptarten unterschieden: Die amnestische bzw. gedächtnisbezogene Form sowie die nichtamnestische Variante ohne prominenten Gedächtnisverlust.

Bai et al. wollten vor dem Hintergrund der zunehmenden Relevanz des MCI für die Demenzprävention mehr über die globale Prävalenz dieser präklinischen Vorstufe bei in der Gemeinschaft lebenden Menschen ab einem Alter von 50 Jahren erfahren und haben die Ergebnisse ihrer systematischen Übersichtsarbeit einschließlich Metaanalyse zum Thema veröffentlicht. Die Grundlage dieser Arbeit unter Berücksichtigung der PRISMA- und MOOSE-Richtlinien bildete dabei eine systematische Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed, Web of Science, Embase und PsychINFO mit einem zeitlichen Limit bis zum 1. September 2021.

Das wichtigste Kriterium für geeignete Studien umfasste der Bericht von MCI-Prävalenzen bei in der Gemeinschaft lebenden Erwachsenen ab einem Lebensalter von 50 Jahren. Auf methodischer Ebene griff das Forschungsteam zur Synthese der Einzeldaten auf Random-Effects-Modelle zurück und berücksichtigte ferner potenzielle Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Bildungsstand und Region der Studienorte.

Einfluss von Alter und Geschlecht

Die Literaturrecherche resultierte zunächst in 6237 Treffern. 66 Studien mit insgesamt 242804 Teilnehmenden konnten schließlich im Rahmen der Übersichtsarbeit und Metaanalyse berücksichtigt werden. Mit Blick auf das zentrale Studienziel lag die MCI-Gesamtprävalenz unter Berücksichtigung aller Daten bei 15,56%. Nach Differenzierung der beiden Hauptformen des MCI ergaben sich des Weiteren Prävalenzen von 10,03% für die amnestische sowie von 8,72% für die nichtamnestische Form.

Schließlich konnte die Forschungsgruppe einen messbaren Einfluss verschiedener soziodemografischer Faktoren feststellen. So nahmen die Prävalenz der leichten kognitiven Beeinträchtigung mit dem Alter zu und zeigte mit zunehmendem Bildungsgrad eine rückläufige Tendenz. Weitere Regressionsanalysen konnten zudem verdeutlichen, dass nicht nur die Region des Studienstandorts, sondern ebenfalls der Anteil männlicher Teilnehmender für die Prävalenzen eine Rolle spiele.

Bai et al. kommen folglich zu dem Schluss, dass die globale Prävalenz der leichten kognitiven Beeinträchtigung bei in der Gemeinschaft lebenden Menschen ab einem Alter von 50 Jahren zwar insgesamt bei über 15% liege, aber dabei durch Faktoren wie Alter, Geschlecht und Bildungsgrad beeinflusst werde. In Hinblick auf die Prävention von Demenzen empfehlen sie daher Erfassungsmaßnahmen bei Risikogruppen innerhalb der Bevölkerung und wünschen sich eine stärkere Ausrichtung von Intervention zur Demenzprävention auf Menschen mit erhöhtem MCI-Risiko.