BadgesStudien

Ginkgo Biloba: Assoziation zwischen Verordnung und reduzierter Demenzinzidenz

Bohlken J et al., 22. März 2022 - Ginkgo-biloba-Extrakt ist ein Wirkstoff aus den Blättern des Ginkgobaums und kommt u.a. zur Förderung der Gedächtnisleistung sowie zur Linderung von Tinnitus zum Einsatz. Nachdem verschiedene klinische Studien bei Patient*innen mit Demenz eine signifikante Wirksamkeit einer Ginkgo-biloba-Therapie belegen konnten, haben Bohlken et al. mögliche Assoziationen zwischen Ginkgo-biloba-Extrakt-Verordnungen und der Demenzinzidenz untersucht.
Aufgeschlagenes Buch - darüber schwebende Illustrationen mit Medizinbezug

Fazit

In dieser retrospektiven Kohortenstudie mit MCI-Patient*innen ergaben sich deutliche Assoziationen zwischen der mindestens 2-maligen Verordnung von Ginkgo-biloba-Extrakten und einer reduzierten Demenzinzidenz. Die Stärke des nachgewiesenen Effekts ging damit in positivem Sinn mit der Verordnungshäufigkeit einher.

Welchen Einfluss hat die Verordnung von Ginkgo-biloba-Präparaten auf die Demenzinzidenz bei Patient*innen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung bzw. Mild Cognitive Impairment (MCI) unter realen Versorgungsbedingungen? Nachdem immer mehr klinische Studien eine signifikante Wirksamkeit einer Therapie mit Ginkgo-biloba-Präparaten bei Menschen mit demenziellen Erkrankungen nahelegen, haben sich Bohlken et al. mit dem Thema befasst und nun die Ergebnisse einer retrospektiven Kohortenstudie veröffentlicht.

Ausgangspunkt dieser Untersuchung bildete die Datenbank „IQVIA Disease Analyzer“. Dabei konzentrierte sich das Forschungsteam auf Patient*innen im Mindestalter von 65 Jahren mit MCI-Diagnose zwischen Januar 2000 und Dezember 2019. Über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren erfolgte dann nach jeder MCI-Diagnose eine Nachbeobachtung mit Fokus auf das Datum der ersten Demenzdiagnose oder das Ausscheiden aus der Nachbeobachtung.

Um mögliche Assoziationen zwischen Verordnungen von Ginkgo-biloba-Präparaten und der Demenzinzidenz abschätzen zu können, griff die Forschungsgruppe auf eine multivariate Cox-Regressionsanalyse zurück und berücksichtigte dabei potenzielle Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Krankenversicherungsstatus, Begleitdiagnosen sowie die Verordnung von Cholinesteraseinhibitoren.

Effekt ab der 2. Verordnung

Insgesamt konnten die Daten von 24483 MCI-Patient*innen bei der finalen Analyse berücksichtigt werden. Sie waren durchschnittlich 77 Jahre alt mit einem Frauenanteil von gerundet 56%. Die häufigsten Begleiterkrankungen waren Hypertonie, Depressionen, Diabetes mellitus und Schlaganfälle.

Im Hauptergebnis ging bereits der Nachweis von mindestens 2 Verordnungen eines Ginkgo-biloba-Präparats auf statistisch signifikantem Niveau mit einer reduzierten Demenzinzidenz einher. Die entsprechende Hazard Ratio (HR) lag bei 0,71 im direkten Vergleich mit Patient*innen ohne Verordnungen. Darüber hinaus konnte das Forschungsteam eine Zunahme des Effekts bei einer höheren Verordnungszahl feststellen mit einer HR von 0,64 bei mindestens 3 Verordnungen sowie von 0,58 bei mehr als 4 Verordnungen.

Trotz einiger Limitierungen durch das beobachtende und retrospektive Design dieser Studie ziehen die Autor*innen ein positives Fazit und konnten deutliche Assoziationen zwischen der Inzidenz von Demenzen jeglicher Ursache bei MCI-Patient*innen und der Verordnungen von Ginkgo-biloba-Präparaten belegen. Da allerdings in dieser Studie noch Fragen zum Einfluss Lifestyle-relevanter Risikofaktoren sowie der Compliance offenbleiben, sollten die Ergebnisse dieser Studie als wichtige Ausgangspunkt für weitere Forschung betrachtet werden.