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Demenzielle Erkrankungen: Lancet-Kommission sieht großes Präventionspotenzial
Autor*in Studienreferat
Dipl.-Psych. Annika Simon, Braunschweig
Fazit
Durch gezielte Präventionsmaßnahmen könnte – nach Ansicht der Lancet-Kommission – etwa die Hälfte aller Demenzfälle vermieden werden. Als neue Risikofaktoren wurden dabei der unbehandelte Sehverlust im höheren sowie die unbehandelte LDL-Hypercholesterinämie im mittleren Lebensalter in die entsprechende Liste aufgenommen. Die Kommission betont die Bedeutung von Früherkennung und Therapie von Risikofaktoren und hält eine Verbesserung von Versorgungsmodellen für unbedingt erforderlich.
Anlässlich der großen Bedeutung einer steigenden absoluten Fallzahl demenzieller Erkrankungen hat die fachspezifische Lancet-Kommission eine Aktualisierung ihres letzten umfangreichen Berichts von 2020 zur Prävention, Intervention und Versorgung von Betroffenen und ihren Familien veröffentlicht. Diese Zusammenfassung liefert dabei im Vergleich zum vorherigen Bericht neue und stärkere Evidenz in Bezug auf vorbeugende Maßnahmen und ergänzt die Liste der nachgewiesenen Risikofaktoren um 2 neue unbehandelte Erkrankungen.
Zu verschiedenen Zeitpunkten im Verlauf eines Lebens nennt die Kommission insgesamt 12 bekannte und nun auch 2 neue modifizierbare Risikofaktoren. Während ein geringer Bildungsstand, unbehandelter Hörverlust, Hypertonie, Rauchen, Adipositas, Depressionen, körperliche Inaktivität, Diabetes, übermäßiger Alkoholkonsum, traumatische Hirnverletzungen, Luftverschmutzung und soziale Isolation zu den bereits bekannten belegten Risikofaktoren zählen, konnte die Kommission nun auch Evidenz für die Bedeutung hoher unbehandelter LDL-Cholesterinwerte im mittleren Lebensalter sowie eines unbehandelten Sehverlustes im höheren Lebensalter vorbringen.
Präventionsansatz Risikofaktoren
Die Autor*innen gehen davon aus, dass durch die Eliminierung aller 14 Risikofaktoren etwa 45% aller zukünftigen Demenzen verhindert werden könnten. Dabei sehen sie großes Potenzial in Bezug auf die beiden neu identifizierten Risikofaktoren mit einem Reduktionspotenzial von 7% im Falle des LDL-Cholesterins und von 2% beim unbehandelten Sehverlust.
Mit Blick auf Schutzfaktoren werden schließlich vor allem die sich über den Lebensverlauf entwickelnde kognitive und körperliche Reserve sowie die Reduktion vaskulärer Schäden – u.a. durch Rauchstopp und Blutdruckkontrollen –genannt. Beide Aspekte leisteten vermutlich einen wesentlichen Beitrag zur Abnahme der altersbezogenen Inzidenzen in Hochlohnländern.
Obgleich sich dieser Bericht in großen Teilen auf die Bedeutung der frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Risikofaktoren – z.B. durch eine adäquate Versorgung mit Hörgeräten oder die Förderung der täglichen Bewegung – konzentriert, spielt ebenso die Versorgung von Menschen mit demenziellen Erkrankungen eine inhaltlich wichtige Rolle. Die Autor*innen sehen an dieser Stelle großen Optimierungsbedarf in Bezug auf die praktizierten Versorgungsmodelle und halten eine stärkere Unterstützung der Pflegenden sowie eine Erweiterung der Frühdiagnostik mit Verwendung neuer Biomarker für unbedingt notwendig und empfehlenswert. Trotz großer Herausforderungen durch die steigenden Zahlen demenzieller Erkrankungen vermitteln die Kommissionsmitglieder schlussendlich eine hoffnungsvolle Perspektive und sehen großes Potenzial sowohl in individuellen als auch in politischen Präventionsmaßnahmen.