BadgesStudien

Prävention: Praxistauglicher Gehirn-Check-up für die Hausarztpraxis

Wolski L et al., 05. Juni 2024 - Zur frühzeitigen Therapie reversibler Ursachen oder zur Verlangsamung des weiteren Krankheitsprogresses spielt bei Verdacht auf eine leichte kognitive Beeinträchtigung die anlassbezogene Diagnostik eine wichtige Rolle. Wolski et al. haben in diesem Kontext nun die Akzeptanz und Praxistauglichkeit eines für die Primärversorgung entwickelten „Gehirn-Check-ups“ getestet und kommen nach Durchführung ihrer Studie zu einem positiven Ergebnis.
Aufgeschlagenes Buch - darüber schwebende Illustrationen mit Medizinbezug

Fazit

Der Gehirn-Check-up-Algorithmus bei Verdacht auf eine leichte kognitive Beeinträchtigung erwies sich in dieser Machbarkeitsstudie als hilfreiche Vorgehensweise im Rahmen der Primärversorgung. Obgleich die Ergebnisse eine hohe Praxistauglichkeit nahelegen, bemängelten die teilnehmenden Ärzt*innen als zentrale Hürden vor allem das lange Warten auf Facharzttermine, Angst der Patient*innen vor den Ergebnissen, den Zeitmangel des Fachpersonals sowie den Kostenfaktor.

Die leichte kognitive Beeinträchtigung – in der Fachliteratur häufig als „Mild Cognitive Impairment“ (MCI) bezeichnet – beschreibt das Übergangsstadium zwischen dem normalen kognitiven Alterungsprozess und einer demenziellen Erkrankung und stellt somit ein optimales Ziel für Früherkennungsmaßnahmen dar. Erstautor Wolski und sein Forschungsteam haben sich vor diesem Hintergrund mit der anlassbezogenen Identifizierung der leichten kognitiven Beeinträchtigung in der Primärversorgung befasst und im Rahmen einer Machbarkeitsstudie die Akzeptanz und Praxistauglichkeit eines speziell entwickelten „Gehirn-Check-up“-Algorithmus getestet.

Dieser Algorithmus wurde zuvor in Zusammenarbeit mit niedergelassenen neurologisch, psychiatrisch und hausärztlich tätigen Ärzt*innen entwickelt und sollte vor allem die frühe Identifizierung eines MCI als Grundlage der Therapie reversibler Ursachen oder zur gezielten Prävention des weiteren Krankheitsprogresses möglich machen. Teilnehmende Ärzt*innen führten den Algorithmus durch und wurden im Anschluss mittels Fragebogen zur Machbarkeit, Akzeptanz und möglichen Hürden befragt.

Die Grundlage des Algorithmus bildete zunächst die Durchführung eines kognitiven Tests – darunter beispielsweise der Demenz-Detektions-Test (DemTect) – in Kombination mit einem Bluttest zum Ausschluss reversibler Demenzen. Während dann im Fall eines auffälligen Ergebnisses die Überweisung zum Facharzt erfolgte, führte ein unauffälliges Resultat zu einer Besprechung von Präventionsmaßnahmen sowie zur Vereinbarung des nächsten Gehirn-Check-up-Termins.

Große Hürde Facharzttermin

Insgesamt führten 37 Ärzt*innen bei 389 Menschen den Gehirn-Check-up durch. Mit einer Häufigkeit von 37% kamen die meisten Ärzt*innen aus den westlichen Bundesländern und praktizierten zu 26% in einer Region mit einer Einwohnerzahl von unter 20000.

Mit Blick auf die Praxistauglichkeit des Algorithmus im hausärztlichen Alltag gaben 73% der teilnehmenden Ärzt*innen eine positive Bewertung ab. Dennoch nannten sie verschiedene Barrieren bezüglich der Durchführung. Diese waren die Angst der Betroffenen vor dem Ergebnis, der Zeitmangel des Fachpersonals sowie der Kostenfaktor. Darüber hinaus nannten die Befragten lange Wartezeiten auf einen Termin bei neurologischen und/oder psychiatrischen Fachärzt*nnen als Hürde für eine optimale Patient*innenbetreuung.

Wolski et al. schreiben daher in ihren Schlussfolgerungen vom strukturierten Gehirn-Check-up-Algorithmus als einer hilfreichen Maßnahme im Rahmen der Primärversorgung. Sie sehen in diesem methodischen Ansatz einen wichtigen Beitrag zur anlassbezogenen Identifikation von Patient*innen mit MCI unter den Routinebedingungen einer hausärztlichen Praxis, empfehlen jedoch weitere Machbarkeitsstudien, um die genannten Hürden in Zukunft besser adressieren zu können.