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Demenztherapie: Verlangsamter Krankheitsprogress durch Ginkgo-biloba-Extrakt?

Bohlken J et al., 26. Dezember 2024 - Klinische Studien deuten darauf hin, dass eine Therapie mit Ginkgo-biloba-Extrakten den Krankheitsfortschritt bei demenziellen Erkrankungen verlangsamen könnte. Bohlken et al. haben sich in diesem Kontext mit möglichen Assoziationen zwischen der Verordnung entsprechender Extrakte und der Progression von Demenzen befasst und eine retrospektiven Kohortenstudie unter realen Versorgungsbedingungen zum Thema durchgeführt.
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Fazit

In dieser retrospektiven Kohortenstudie mit Patient*innen mit demenziellen Erkrankungen zeigten sich positive Assoziationen zwischen einer Verordnung von Ginkgo-biloba-Extrakten und einem reduzierten Risiko für einen Krankheitsprogress. Die Annahmen vorheriger Studien zur Wirksamkeit von Ginkgo-biloba bei Demenzen konnten somit ein weiteres Mal unter realen Versorgungsbedingung untermauert werden.

Vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Bevölkerung spielen demenzielle Erkrankungen eine zunehmend größere Rolle. Obgleich die sichere und wirksame Therapie bei milden und moderaten Verläufen trotz moderner pharmakologischer Forschung immer noch eine große Herausforderung darstellt, hat sich beispielsweise eine Behandlung mit Ginkgo-biloba-Extrakten in verschiedenen klinischen Studien als wirksam erwiesen.

Bohlken und sein Forschungsteam haben sich vor diesem Hintergrund nun eingehend mit möglichen Zusammenhängen zwischen einer Verordnung entsprechender Extrakte und dem Krankheitsprogress demenzieller Erkrankungen befasst und kommen nach Durchführung einer retrospektiven Kohortenstudie zu einem positiven Fazit. Die Grundlage dieser Untersuchung bildete die Disease Analyzer Datenbank IQVIA mit Datensätzen deutscher Patient*innenkontakte.

Im Detail zog das Forschungsteam die Daten von Patient*innen aus dem Zeitraum zwischen Januar 2005 und Dezember 2022 heran und definierte die Erstdiagnose einer leichten oder mittelschweren Demenz als wichtigstes Einschlusskriterien. Die Autor*innen konnten ferner auf Daten zur Verschreibung von Ginkgo-biloba-Extrakten zurückgreifen und untersuchten mögliche Zusammenhänge zwischen Verordnungen und dem Krankheitsfortschritt im Rahmen eines Nachbeobachtungszeitraums von bis zu 10 Jahren.

Assoziationen mit Verordnungen

Insgesamt konnten die Daten von 4765 Patient*innen im Rahmen der finalen Auswertung berücksichtigt werden. Sie waren im Mittel 79,6 Jahre alt mit einem Frauenanteil von 63%. Häufige Komorbiditäten umfassten Depressionen, Schlaganfälle, Bluthochdruck sowie Herzinsuffizienz.

Mit Blick auf die Therapie mit Ginkgo biloba konnte das Forschungsteam in 177 Fällen Verordnungen nachweisen. Während die kumulative Inzidenz des Fortschreitens des Demenzschweregrads bei Patient*innen mit entsprechender Verordnung auf 12,7% beziffert werden konnte, ergab sich bei Patient*innen ohne eine Verordnung von Ginkgo-biloba-Extrakten einer kumulative Inzidenz von 22,1%. Die Verordnung der Extrakte ging folglich im Sinne einer Korrelation mit einem signifikant verringerten Risiko für den Fortschritt des Demenzschweregrads einher. Diese positive Assoziation zeigt sich dabei sowohl bei Patient*innen mit leichter als auch bei Patient*innen mit mittelschwerer Demenz.

Bohlken und Kollegium ziehen daher die Schlussfolgerung, dass die Ergebnisse ihrer retrospektiven Kohortenstudie Evidenz für einen positiven Zusammenhang zwischen der Verordnung von Ginkgo-biloba-Extrakten und einem verringerten Risiko für das Fortschreiten des Demenzschweregrads liefere. Dieses Fazit gehe folglich mit vorherigen Studien und Reviews einher, die insbesondere einen Nutzen des Extraktes EGb 761 im Falle leichter bis moderater Demenzen aufzeigten konnten.